Die Nächte in Budapest sind um diese Jahreszeit gerade noch erträglich. Eigentlich ist es schon über die Grenze, aber gestern hat ein Wärmegewitter die Gefahr unterdessen gebannt. Deswegen bin ich nun froh, die Tage größtenteils in der Bibliothek zu verbringen. Dort schreibe ich an meiner Abschlussarbeit, also an der Rohfassung, die inzwischen schon die Hälfte des verlangten Umfangs hat. Ich würde sagen, dass ich gut vorankomme. Dazu häufen sich nun die Abschiedsparties, -trünke, -reisen. Ein Effekt der sich langfristig wohl verlieren wird, so wie es schon im Dezember war, als die Halbjährlichen ihr Auf-Wiedersehen sagten.
Gestern abend war so eine Party in einem Keller namens "Melypont" (Tiefpunkt), wobei drei Geburtstag hatten und eine sich verabschiedete, eine Finnin namens MariaRita, mit der ich bis Weihnachten in einem Sprachkurs saß und die ich still aber intelligent in Erinnerung hatte.
Morgen ist endlich wieder Zeit zum Ninjutsu, was ich schon vermisst habe, und was mir dann noch innerhalb von drei Wochen Unterhaltung verschaffen wird. Viel mehr gibt es vom Status Quo eigentlich nicht zu berichten. Man schwitzt. Man liest. Man schreibt. Man trinkt Kaffee mit Zimt und Vanillesojamilch (Eigenkreation, erstaunlich gut).
Also noch ein paar Worte aus Norwegen, auch wenn sie in diesem Klima eher verblassen und vollständig ins Reich des Ungreifbaren hinübergleiten. Die schönste Tour, in meiner Erinnerung, machten wir etwa Mitte der ersten Woche. Wir waren nach Stavanger gefahren von Kristiansand aus, waren dort über die nahegelegene Insel gewandert und hatten einen Campingplatz gesucht. Zwischen Bäumen, an der Nordseeküste, am Rand eines Kinderfreizeitwildnisparks fanden wir schlussendlich was wir suchten - Ruhe, Meer, Panorama.
Wir waren am Nachmittag angekommen und hatten uns informiert, wo unsere Tour weiter gehen konnte. Auch hier in der Gegend war alles über 6-700 Metern noch voll von Schnee, der Frühling hatte lange auf sich warten lassen. Wir suchten nach Inhalt für etwa 3 1/2 Tage, aber leider bot die Umgebung nur zerstückelte Touren, die wir uns selbst zusammensetzen konnten. Wir erwarben also eine Karte des Lysefjordgebiets - ein Stück östlich von Stavanger begibt sich diese Wasserstraße landeinwärts, während an ihren Ufern sich das Gebirge immer höher hebt, bis endlich fast 1000 Meter.
Am Dienstag besuchten wir zunächst einen Wasserfall. Ein Schulbus brachte uns bis zum Parkplatz. Der ganze Tag hatte etwas cineastisches. Als das letzte Kind ausstieg, und sich der Bus in den Serpentinen zum Einstiegspunkt nahe dem Wasserfall aufmachte startete der Busfahrer Musik. Ein wenig elektronisch, melancholisch, gebrochene Vocals im Vordergrund, sanft untermalt. Goldene Sonne auf dem Hügel, während der Bus sich die Kurven emporschraubt.
Vom Parkplatz waren es noch einige hundert Meter purer Anstieg, mit Treppe und Sicherheitskette zum festhalten. Nicht für Rucksacktouristen, sondern für Tagesbesucher, einmal hoch, runter, Grill anschmeißen. Wir klettern hoch. Der Manafossen übererfüllt unsere Erwartungen. Mit Gewalt dringt er aus dem Fels in unser Gesichtsfeld, reklamiert es in seiner Plastizität und Entschlossenheit. Das untige Bild trägt dem Ganzen nur wenig Rechnung, da das Schmelzwasser dem Fall noch mehr Wucht und Volumen gab.

Nach unserem Abstieg mussten wir das Tal noch eine Strecke zurück verfolgen um den Einstieg zu unserer Wanderroute zu finden. Unsere Karte begann gerade nördlich des Tals und es war ein Zubringer eingezeichnet, der in drei Kilometern aus dem Tal zu unserem Kartenausschnitt führen sollte. Der Weg oben sollte nicht explizit, also mit roten "T"s und Punkten, markiert sein, sondern eben nur ein Pfad sein.
Unterwegs fragen wir einen blonden verschmutzten Bauern, der an einer riesigen Maschine arbeitet, wie weit es noch sei. Er spricht wenig Englisch, aber bietet uns sofort an, uns ins Tal zu fahren. Es sei noch weit. Wir sollten vorsichtig sein, oben sei vielleicht noch Schnee. Auf keinen Fall sollten wir auf das Eis treten, das sei gefährlich. Ja, wir versprechen es.
Er fährt uns also zum Einstieg, den wir so wahrscheinlich kaum gefunden hatten. Es ist früher Nachmittag, vor uns liegt der Überstieg vom einen Tal ins andere, also zunächst ein steiler Pfad aufwärts, eine kleine Hochebene, die uns noch etwas höher führt, und dann der lange Abstieg. Unser Weg hinauf ist wiederum in goldenes Kinolicht getauft. "Dann haben sie sich verabschiedet und sind in die Berge gegangen. Er war der letzte Mensch, der sie noch lebendig sah."
Wir gehen den steilen Pfad hinauf, er ist mit Steinen bedeckt, die wohl Erosion verhindert, Tritthilfe sind, wer weiß. Neben uns fällt ein Wasserfall in das Tal. Hin und wieder treffen wir Schafpforten. Dieser Weg ist nicht für uns da. Er ist für diejenigen da, die hier ihre Schafe hintreiben. Er ist für die da, die oben ihre Häuser haben. Wir sind in ein anderes Reich eingetreten, wir sind nicht mehr auf den geleiteten Wegen, wir sind - zu einem gewissen Grade - frei.
Dabei aber immer noch voller ungewisser Erwartung. Was wenn wir wieder auf ein Schneefeld treffen? Wenn es nicht weitergeht? Wenn wir an der Kuppe stehen, wiederum von Süden kommend, und im Norden, unter uns, nur weiße Weite sehen? Was dann tun? Umkehren? Noch einmal durchquälen?
Am ersten Tag stehen noch keine solchen Entscheidungen an. Wir vollenden den Aufstieg und geraten auf besagte Hochebene. Zwei Seen markieren das Territorium und liegen malerisch auf diesen 4-500 Metern. Mehrere Sommerhäuser, Dächer bedeckt mit Moos und Gras, sind hier gut angelegt. Wahrscheinlich noch nicht bewohnt, dafür ist es zu früh. Zwischen den Seen, Halbzeit, schlagen wir unser Zelt auf. Es ist ein wenig feucht zu Boden, aber wir finden einen guten Ort, nicht weit von einem lebendigen Bach, der sich zu den Seen herab stürzt. Malerisch hebt sich das grüne Zelt vom braun-roten Heidegras ab. Hier passt alles.
Am nächsten Tag beginnen wir nun also den Anstieg über die Hügelwellen, die uns zum höchsten Punkt führen. Wir sind immer noch leicht gespannt. Was wenn. Auf der letzten Kuppe, die wir nur auf Umwegen erreichen, da der Weg sich verliert, können wir schließlich auflachen. Ja, es gibt Schnee. Wir müssen insgesamt vielleicht 10-15 Meter durch ihn hindurch steigen. Sinken höchstens bis zum Knöchel ein. Das ist gezähmte Wildnis, nichts wovor man sich fürchten müsste. Und machen uns an den Abstieg, nach Espedal, erst das obere, dann das untere. Das obere ist eine Art Bergsiedlung, mit 6-7 Häusern und einer Art Dorfstraßenpfad zwischendrin, noch deutlich über dem Niveau des Tals.
Auf dem Weg finden wir einen Wasserfall, der sich unter der Brücke die wir überqueren zu einem Teich ergießt. Wir lassen uns nicht lange bitten und steigen herab zum Bade. Es ist saukalt, klar, aber dieses Gefühl der Reinlichkeit, des Kontrasts, ist erhebend. Dann steigen wir ins Tal.
Gestern abend war so eine Party in einem Keller namens "Melypont" (Tiefpunkt), wobei drei Geburtstag hatten und eine sich verabschiedete, eine Finnin namens MariaRita, mit der ich bis Weihnachten in einem Sprachkurs saß und die ich still aber intelligent in Erinnerung hatte.
Morgen ist endlich wieder Zeit zum Ninjutsu, was ich schon vermisst habe, und was mir dann noch innerhalb von drei Wochen Unterhaltung verschaffen wird. Viel mehr gibt es vom Status Quo eigentlich nicht zu berichten. Man schwitzt. Man liest. Man schreibt. Man trinkt Kaffee mit Zimt und Vanillesojamilch (Eigenkreation, erstaunlich gut).
Also noch ein paar Worte aus Norwegen, auch wenn sie in diesem Klima eher verblassen und vollständig ins Reich des Ungreifbaren hinübergleiten. Die schönste Tour, in meiner Erinnerung, machten wir etwa Mitte der ersten Woche. Wir waren nach Stavanger gefahren von Kristiansand aus, waren dort über die nahegelegene Insel gewandert und hatten einen Campingplatz gesucht. Zwischen Bäumen, an der Nordseeküste, am Rand eines Kinderfreizeitwildnisparks fanden wir schlussendlich was wir suchten - Ruhe, Meer, Panorama.
Wir waren am Nachmittag angekommen und hatten uns informiert, wo unsere Tour weiter gehen konnte. Auch hier in der Gegend war alles über 6-700 Metern noch voll von Schnee, der Frühling hatte lange auf sich warten lassen. Wir suchten nach Inhalt für etwa 3 1/2 Tage, aber leider bot die Umgebung nur zerstückelte Touren, die wir uns selbst zusammensetzen konnten. Wir erwarben also eine Karte des Lysefjordgebiets - ein Stück östlich von Stavanger begibt sich diese Wasserstraße landeinwärts, während an ihren Ufern sich das Gebirge immer höher hebt, bis endlich fast 1000 Meter.
Am Dienstag besuchten wir zunächst einen Wasserfall. Ein Schulbus brachte uns bis zum Parkplatz. Der ganze Tag hatte etwas cineastisches. Als das letzte Kind ausstieg, und sich der Bus in den Serpentinen zum Einstiegspunkt nahe dem Wasserfall aufmachte startete der Busfahrer Musik. Ein wenig elektronisch, melancholisch, gebrochene Vocals im Vordergrund, sanft untermalt. Goldene Sonne auf dem Hügel, während der Bus sich die Kurven emporschraubt.
Vom Parkplatz waren es noch einige hundert Meter purer Anstieg, mit Treppe und Sicherheitskette zum festhalten. Nicht für Rucksacktouristen, sondern für Tagesbesucher, einmal hoch, runter, Grill anschmeißen. Wir klettern hoch. Der Manafossen übererfüllt unsere Erwartungen. Mit Gewalt dringt er aus dem Fels in unser Gesichtsfeld, reklamiert es in seiner Plastizität und Entschlossenheit. Das untige Bild trägt dem Ganzen nur wenig Rechnung, da das Schmelzwasser dem Fall noch mehr Wucht und Volumen gab.
Nach unserem Abstieg mussten wir das Tal noch eine Strecke zurück verfolgen um den Einstieg zu unserer Wanderroute zu finden. Unsere Karte begann gerade nördlich des Tals und es war ein Zubringer eingezeichnet, der in drei Kilometern aus dem Tal zu unserem Kartenausschnitt führen sollte. Der Weg oben sollte nicht explizit, also mit roten "T"s und Punkten, markiert sein, sondern eben nur ein Pfad sein.
Unterwegs fragen wir einen blonden verschmutzten Bauern, der an einer riesigen Maschine arbeitet, wie weit es noch sei. Er spricht wenig Englisch, aber bietet uns sofort an, uns ins Tal zu fahren. Es sei noch weit. Wir sollten vorsichtig sein, oben sei vielleicht noch Schnee. Auf keinen Fall sollten wir auf das Eis treten, das sei gefährlich. Ja, wir versprechen es.
Er fährt uns also zum Einstieg, den wir so wahrscheinlich kaum gefunden hatten. Es ist früher Nachmittag, vor uns liegt der Überstieg vom einen Tal ins andere, also zunächst ein steiler Pfad aufwärts, eine kleine Hochebene, die uns noch etwas höher führt, und dann der lange Abstieg. Unser Weg hinauf ist wiederum in goldenes Kinolicht getauft. "Dann haben sie sich verabschiedet und sind in die Berge gegangen. Er war der letzte Mensch, der sie noch lebendig sah."
Wir gehen den steilen Pfad hinauf, er ist mit Steinen bedeckt, die wohl Erosion verhindert, Tritthilfe sind, wer weiß. Neben uns fällt ein Wasserfall in das Tal. Hin und wieder treffen wir Schafpforten. Dieser Weg ist nicht für uns da. Er ist für diejenigen da, die hier ihre Schafe hintreiben. Er ist für die da, die oben ihre Häuser haben. Wir sind in ein anderes Reich eingetreten, wir sind nicht mehr auf den geleiteten Wegen, wir sind - zu einem gewissen Grade - frei.
Dabei aber immer noch voller ungewisser Erwartung. Was wenn wir wieder auf ein Schneefeld treffen? Wenn es nicht weitergeht? Wenn wir an der Kuppe stehen, wiederum von Süden kommend, und im Norden, unter uns, nur weiße Weite sehen? Was dann tun? Umkehren? Noch einmal durchquälen?
Am ersten Tag stehen noch keine solchen Entscheidungen an. Wir vollenden den Aufstieg und geraten auf besagte Hochebene. Zwei Seen markieren das Territorium und liegen malerisch auf diesen 4-500 Metern. Mehrere Sommerhäuser, Dächer bedeckt mit Moos und Gras, sind hier gut angelegt. Wahrscheinlich noch nicht bewohnt, dafür ist es zu früh. Zwischen den Seen, Halbzeit, schlagen wir unser Zelt auf. Es ist ein wenig feucht zu Boden, aber wir finden einen guten Ort, nicht weit von einem lebendigen Bach, der sich zu den Seen herab stürzt. Malerisch hebt sich das grüne Zelt vom braun-roten Heidegras ab. Hier passt alles.
Am nächsten Tag beginnen wir nun also den Anstieg über die Hügelwellen, die uns zum höchsten Punkt führen. Wir sind immer noch leicht gespannt. Was wenn. Auf der letzten Kuppe, die wir nur auf Umwegen erreichen, da der Weg sich verliert, können wir schließlich auflachen. Ja, es gibt Schnee. Wir müssen insgesamt vielleicht 10-15 Meter durch ihn hindurch steigen. Sinken höchstens bis zum Knöchel ein. Das ist gezähmte Wildnis, nichts wovor man sich fürchten müsste. Und machen uns an den Abstieg, nach Espedal, erst das obere, dann das untere. Das obere ist eine Art Bergsiedlung, mit 6-7 Häusern und einer Art Dorfstraßenpfad zwischendrin, noch deutlich über dem Niveau des Tals.
Auf dem Weg finden wir einen Wasserfall, der sich unter der Brücke die wir überqueren zu einem Teich ergießt. Wir lassen uns nicht lange bitten und steigen herab zum Bade. Es ist saukalt, klar, aber dieses Gefühl der Reinlichkeit, des Kontrasts, ist erhebend. Dann steigen wir ins Tal.
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