Wir beginnen unseren letzten halben Tag in Pécs damit, ein Frühstück zu suchen. Dass man auch im Restaurant, zur Morgenzeit Essen einnehmen wollen könnte, das scheint hierzulande nicht gang und gäbe zu sein, daher irren wir einigermaßen durch die Gassen, finden aber einige neue hübsche Stellen, wo wir noch nicht waren. Zum Ende entscheiden wir uns für ein trendy eingerichtetes Lokal nahe der Stadtmitte, dem Szecheny-Platz, wo es Riesenpfannkuchen gibt, die uns auch in ihrer Ausführung nicht enttäuschen. Da wären: Nutellafüllung, Rumschokolade und Apfelzimtvanillesauce. Dementsprechend gestärkt wenden wir uns den Nachholungen vom Vortag zu. Wir hatten einige Objekte des Interesses links liegen gelassen in der Hoffnung, den ewigen Fluch zu brechen, der dann eintritt, wenn man sich sagt „hier komme ich bestimmt wieder hin, am besten morgen”, und wo dann letztlich doch nichts passiert. Dem gingen wir aus dem Weg und begannen unsere Tour im Zsolnay-Museum. Die Familie Zsolnay unterhielt ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Porzellanfabrik in Pécs, in der durchaus eindrucksvolle Produkte entstanden. Da ist ein Ententeich der Weltausstellung in Wien, diverse Heiligenbilder, aber auch Gebrauchsgeschirr verschiedenster Provenienz, etwa Repliken von Bronzezeitfunden, asiatische oder ägyptische Serien. Das Museum ist angenehm aufgemacht und vergleichsweise sehr gut dokumentiert, daher kann ich es nur empfehlen. Wer mehr lesen will: http://www.zsolnay.hu/De/3index.htm. Danach sehen wir uns noch die Gallerie für moderne Kunst an, die sich hier auch findet – die aber relativ enttäuschend gehalten ist. Ein paar nette Werke von um 1930, aber en gros nichts neues oder bewegendes. Aber immerhin den Fluch besiegt. Noch ein wenig irren wir durch die Gassen, bis wir uns dann auf den Rückweg nach Budapest machen, aus unten genannten Gründen. Wir steigen noch in einer Pizzeria unterwegs ab und beobachten Halbstarke. Irgendwie haben wir auf dieser Reise eine Tendenz häufig in Lokalen zu landen, für die wir eigentlich schon fast zu alt sind, so auch hier. Die Kellnerin lacht fast als wir kurz nach Mittag schon Bier verlangen, nebenan balzen die vierzehnjährigen Angeber. Einer lässt es aus, sein Schnitzel überhaupt zu probieren und hat nur Augen für seine Gegenüber. Was er nicht auslässt ist ein Gang, wohl in Richtung Toilette, wobei er dann bodywirksam durch das Lokal zurückstolziert, mit gespanntem und schwankenden Oberkörper, was für ein Mann!
Über Budapest und die Reise dahin gibt es wenig zu berichten, außer dass die Nacht kurz wurde – um 6 ging es schon wieder weiter Richtung Zagreb. Am nächsten Morgen sind zum Glück alle vorhanden am Keleti, für mich ein fünfminütiger Laufweg, und reisefertig, mit Pässen und Sandwiches. In Südungarn begegnet uns unterwegs wieder Schnee, wovon man in Budapest natürlich nichts merkt, vielleicht auf den wenigst sonnenbeschienenen dunklen Orten, aber sonst wirklich nicht, und bald sind wir an der Grenze zu Kroatien. Dort werden wir erst einmal auf ein Abstellgleis verfrachtet und ausgiebig kontrolliert. Hier beginnt das kroatische Wunder. Wir sind inzwischen ein wenig an die ungarische Mentalität gewöhnt, sehr korrekt, etwas langsam, nicht unbedingt in allen Bereichen kooperativ sondern mehr lethargisch beharrend bis man aus dem Weg weist. Der kroatische Grenzbeamte hat gute Laune und ist lustig. Und spricht Englisch. Sammelt die Pässe ein, spricht unsere Namen aus, mit großer Faszination. Keine weiteren Komplikationen, wir verlassen unser Gleis und kommen irgendwann, etwa eine Stunde verspätet in Zagreb an. Dort beginnt die Suche nach einem Hostel ...