Gestern habe ich noch die letzte Wohnstätte Béla Bartóks in Budapest besucht. Das Haus ist recht groß und liegt im 2. Distrikt von Budapest - was etwas irritierend klingen kann, denn während der erste Distrikt tatsächlich sehr zentral auf der Buda Seite beheimatet ist, so bezeichnet der zweite Distrikt den Nordteil von Buda, der sich auch von der Stadt weg zieht. Daher hatte ich vom Moszkva tér noch etwa 20 Minuten mit dem Bus in die Hügel. Im Haus gibt es nicht viel zu sehen, daher war ich in einer Stunde damit durch, aber es hat sich trotzdem sehr gelohnt dahin zu fahren.
Zum einen sprach mich eine sehr freundliche Museumsfachkraft an und erklärte die Einrichtung. Sie bestand aus "bäuerischem" Mobiliar aus der Gegend in der Bartók geboren wurde, also waren alte Schränke, Tassen, Vorhänge ausgestellt. In einem Nebenzimmer befindet sich der Bösendorfer auf dem Bartók komponierte, daneben steht sein Grammofon, mit dem er über die siebenbürgischen Dörfer zog und Volkslieder sammelte. An einer Wand davor sind auch Bilder einer Sammelreise, die ihn in den 30ern in die Türkei führte. Speziell sein Interesse an türkischer und arabischer Musik, entsprechende Reisen um Material zu sammeln und Teilnahme an Kongressen über dieses Feld waren mir bisher nicht bewusst und freuten mich zu sehen.
Im Obergeschoss das erst vor zwei Jahren ausgebaut wurde, fanden sich dann einige Kuriositäten. Das eine war etwa ein Holzstock, an dessen Ende sich verzierte Lederstreifen fanden, unterschiedlicher Länge und Farbe. Meine Führerin erklärte, dass dieser Stock von wandernden Arbeitern benutzt wurde. Dort wo sie blieben und schafften erhielten sie am Ende ihrer Tätigkeit einen Lederstreifen, der durch die Länge besagte, wie lange sie dort gearbeitet haben, und vielleicht noch andere Codes beinhaltet, die dann ausdrücken, wie gut sich der fahrende Gesell geschlagen hat. Weitere Ausstellungsstücke umfassten eine Sammlung von Blumen, Käfern, Münzen, ... , eigentlich sammelte er scheinbar alles. Schön war auch der Ungarische Ausdruck, dass jemand, der ein wenig seltsam und isoliert ist dann als "käferig" bezeichnet wird. Passend zum Hobby. Das letzte Stück war schließlich eine Zigarette, die bei der Restaurierung des Flügels darin gefunden wurde. Bartók war schwerer Raucher und wurde selten ohne angetroffen.
Alles in allem, ein schöner Besuch, ich stand kurz davor, ein Dokumentationsbuch zu erwerben, aber die geschätzten zusätzlichen fünf Kilo in meinem Rucksack wollte ich mir nun doch nicht zumuten.
Am Montag führte ein Ausflug mich noch nach Zsámbék (Schambeck), ein deutsch geprägter Ort mit einer sehr alten Klosterruine. Vielleicht lade ich später noch einige Bilder hoch. In jedem Fall gab es ein freundliches Restaurant, interessante Ruinen und einen großen Feiertag den wir just verpasst hatten, da er Sonntag stattfand.
Wie nun weiter? Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, ob ich dieses Blog noch weiter betreiben werde. Der Titel wäre zumindestens veraltet und unnütz. Diejenigen die ich hoffe hiermit unterhalten zu haben werde ich bald wiedersehen. Die Fremdheit, die ich in einigen Auszügen versucht habe wiederzugeben wird sich in Deutschland nicht einstellen. Ein Werkzeug steht da ohne Zweck. Ein Projekt, das ich vielleicht noch in Angriff nehmen werde ist eine Art "Guide to Budapest", ein Leitfaden wie man sich hier zurecht findet und was man unternehmen sollte. Ob es dazu kommt steht noch in den Sternen. Vielleicht am Wochenende, wenn Internet abgestellt ist und ich mich nicht anderweitig ablenke.
(vorerst)

