Die letzte Woche habe ich mich dem Phänomen Foucault gewidmet. Ich denke die Bezeichnung ist angemessen, bedenkt man wieviel Wirbel sein erster großer Erfolg, les mots et les choses in Frankreich verursachte. Selbst die große Ikone J.P. Sartre ließ sich zu einer Antwort auf die Provokationen Foucaults bewegen, übertitelt mit "Sartre répond". Dem zuvorgegangen waren Interviews, in denen Foucault, auf Basis seiner neu gewonnenen intellektuellen Anerkennung, Sartre und ähnliche Philosophen als Menschen des 19. Jahrhunderts bezeichnete, die verzweifelt versuchen, eine Erklärung für das 20. Jahrhundert zu finden.
Wie kam ich dazu? Scheinbar findet in dem Doktorandenseminar, in dem ich bis jetzt eine Ecke der roten Couchgarnitur im Zimmer meines Betreuers hier vor Ort besetzte, die Ohren spitzte, und mich der Illusion hingab, dass hier lauter hochinteressante Gegenstände in wahnsinnig präziser Weise verhandelt werden - da ich ja nicht alles verstand und Aufmerksamkeit für Spracherwerb nun eben vonnöten ist, am Ende jedes Semesters eine kleine Konferenz statt. Mitten in diese gesellige Isolation, die ich jeden Donnerstagmorgen betrieben habe, wurde ich letzte Woche gefragt, ob ich einen Vortrag zu Foucaults klassischer Episteme halten möchte, auf jener Konferenz. Das habe ich nun also gestern gemacht. Zunächst im gebrochenen Ungarisch erklärt, dass ich sehr gerne einen Vortrag in der Landessprache halten wollte, es mir aber leider noch nicht möglich ist, dann über den Status der Foucault'schen Hypothesen über die klassische Episteme geredet. Was ich versucht habe zu beschreiben ist eben das, die Verwirrung und Faszination die aufgrund eines so unbestimmten Modus des Sagens aufkommt. Denn Foucault versucht eine Form des Hinweisens auf das unbewusst zugrunde Liegende. Da gibt es vielleicht viel auf der Oberflächenstruktur zu kritisieren, aber das bleibt eben Oberfläche.
Der Vortrag wurde - so würde ich es beschreiben - wohlwollend angenommen. Insgesamt habe ich zwei Gesichter gezählt, die sich mir aufmerksam zuwandten, es gab ein-zwei höfliche Nachfragen, die mein generelles Projekt lobten, aber keine wirkliche Diskussion. Das war nicht weiter verwunderlich, weil mein Vorgänger sein Referat über Kant, Foucault und Aufklärung (felvilágosodás im Ungarischen) masslos überzogen hatte und die versammelte Mannschaft schon etwas in den literarischen Seilen hing. Das Abschlussreferat des Foucaultspezialisten aus Szeged, der extra für diesen Anlass eingeflogen wurde, wurde dementsprechend kommentarlos hingenommen während die fleißigen Studenten schon ihre Sackerl packten. Dass dieser Spezialist kein Deutsch sprach sondern nur Ungarisch und Französisch, vielleicht trug das auch zum Mangel an Debatte nach meinem Vortrag bei.
Heute schneit es wieder, wie gestern, was für Budapester Verhältnisse ein Rekord ist. Zur Feier des Tages war ich gestern Schlittschuhlaufen, hinein in die Welt der verblichenen Sommerhits und der posenden Hiphopkiddies. Nun, diese Schlittschuhkiddies sind nicht wirklich Hiphopper, sonst würden sie sich die Lärmbelästigung auf der Eisbahn ja nicht antun, aber in Essentiam legen sie das gleiche Verhalten an den Tag, die coolen Posen, messerscharf andere Läufer schneiden, in Baggypants kreuz und quer durch den Berufsverkehr. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, danach gekocht und den erfolgreichen Tag gefeiert. Es ist noch etwas seltsam aus der Geschäftigkeit, die mich auch in die Bibliothek der Akademie führte, wieder in die Entspannung zurückzukehren, nicht viel zu tun zu haben. Nun, vielleicht Weihnachtsgeschenke besorgen.
Heute Abend findet bei uns in der Wohnung eine kleine Party statt, in Gedenken an die Erasmusstudenten die uns - viel zu früh - um Weihnachten herum verlassen. Dieser Gedanken, insgesamt nur vier Monate hier zu sein - das wäre deprimierend, aber zum Glück gehöre ich zu den neunmonatlichen Privilegierten. Haben wir es gut.
Wie kam ich dazu? Scheinbar findet in dem Doktorandenseminar, in dem ich bis jetzt eine Ecke der roten Couchgarnitur im Zimmer meines Betreuers hier vor Ort besetzte, die Ohren spitzte, und mich der Illusion hingab, dass hier lauter hochinteressante Gegenstände in wahnsinnig präziser Weise verhandelt werden - da ich ja nicht alles verstand und Aufmerksamkeit für Spracherwerb nun eben vonnöten ist, am Ende jedes Semesters eine kleine Konferenz statt. Mitten in diese gesellige Isolation, die ich jeden Donnerstagmorgen betrieben habe, wurde ich letzte Woche gefragt, ob ich einen Vortrag zu Foucaults klassischer Episteme halten möchte, auf jener Konferenz. Das habe ich nun also gestern gemacht. Zunächst im gebrochenen Ungarisch erklärt, dass ich sehr gerne einen Vortrag in der Landessprache halten wollte, es mir aber leider noch nicht möglich ist, dann über den Status der Foucault'schen Hypothesen über die klassische Episteme geredet. Was ich versucht habe zu beschreiben ist eben das, die Verwirrung und Faszination die aufgrund eines so unbestimmten Modus des Sagens aufkommt. Denn Foucault versucht eine Form des Hinweisens auf das unbewusst zugrunde Liegende. Da gibt es vielleicht viel auf der Oberflächenstruktur zu kritisieren, aber das bleibt eben Oberfläche.
Der Vortrag wurde - so würde ich es beschreiben - wohlwollend angenommen. Insgesamt habe ich zwei Gesichter gezählt, die sich mir aufmerksam zuwandten, es gab ein-zwei höfliche Nachfragen, die mein generelles Projekt lobten, aber keine wirkliche Diskussion. Das war nicht weiter verwunderlich, weil mein Vorgänger sein Referat über Kant, Foucault und Aufklärung (felvilágosodás im Ungarischen) masslos überzogen hatte und die versammelte Mannschaft schon etwas in den literarischen Seilen hing. Das Abschlussreferat des Foucaultspezialisten aus Szeged, der extra für diesen Anlass eingeflogen wurde, wurde dementsprechend kommentarlos hingenommen während die fleißigen Studenten schon ihre Sackerl packten. Dass dieser Spezialist kein Deutsch sprach sondern nur Ungarisch und Französisch, vielleicht trug das auch zum Mangel an Debatte nach meinem Vortrag bei.
Heute schneit es wieder, wie gestern, was für Budapester Verhältnisse ein Rekord ist. Zur Feier des Tages war ich gestern Schlittschuhlaufen, hinein in die Welt der verblichenen Sommerhits und der posenden Hiphopkiddies. Nun, diese Schlittschuhkiddies sind nicht wirklich Hiphopper, sonst würden sie sich die Lärmbelästigung auf der Eisbahn ja nicht antun, aber in Essentiam legen sie das gleiche Verhalten an den Tag, die coolen Posen, messerscharf andere Läufer schneiden, in Baggypants kreuz und quer durch den Berufsverkehr. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, danach gekocht und den erfolgreichen Tag gefeiert. Es ist noch etwas seltsam aus der Geschäftigkeit, die mich auch in die Bibliothek der Akademie führte, wieder in die Entspannung zurückzukehren, nicht viel zu tun zu haben. Nun, vielleicht Weihnachtsgeschenke besorgen.
Heute Abend findet bei uns in der Wohnung eine kleine Party statt, in Gedenken an die Erasmusstudenten die uns - viel zu früh - um Weihnachten herum verlassen. Dieser Gedanken, insgesamt nur vier Monate hier zu sein - das wäre deprimierend, aber zum Glück gehöre ich zu den neunmonatlichen Privilegierten. Haben wir es gut.