Donnerstag, 19. Juni 2008

Länderspiel # 2

Am Wochenende haben wir einen Roadtrip unternommen. Nur einen Tag lang, und ohne die gesamten Implikationen die das gängigerweise für pubertierende Nordamerikaner hat, aber immerhin waren wir in Ungarn mit dem Auto unterwegs. Genossin Fatima reist demnächst nach Prag zurück und hatte daher ihr Vehikel "am Start", wie man so schön sagt. Wir haben uns also Richtung Süden aufgemacht. Unser letztes Ziel war Pécs, aber unterwegs machten wir Zwischenstopp in einigen bemerkenswerten Orten entlang der Donau.

Unser erster Stopp war Paks. Dort gibt es eine katholische Kirche im besonderen Stil, vollkommen schwarz an der Außenseite und aus Holz gefertigt. Für mich eine überzeugende moderne Lösung, organisch im Gegensatz zu streng geometrisch, Holz im Gegensatz zu Stein, Mensch im Gegensatz zu Gott. Eine Art moderne Theologie die dabei zum Ausdruck gebracht wird.

Zweiter Halt war Szekszárd, wo wir auch zu Mittag aßen, eine wunderbar cremige kalte Obstsuppe, die ich als eine der wenigen Ungarischen Eigenkreationen und Spezialität zu akzeptieren bereit bin. Frische Früchte, sämige Konsistenz, das ist schon mal etwas. Die Stadt selbst war recht sehenswert, nett und niedrig, Kirchgänger strömten gerade aus der Messe (wir fuhren am Sonntag) und trugen zum Teil traditionelle Trachten. Wenig weiter fand sich ein spannendes Prometheus Denkmal mit Hunden, Wohnblock und Wiese. Sehr poetisch.

Dritte Station vor Pécs war das Schlachtfeld von Mohács, oder genauer gesagt die Gedenkstätte die dort errichtet wurde um dem Massaker an der ungarischen Seele zu gedenken. Mit diesem Tag im Jahre 1526 endete das Ungarische Königreich, und sollte nie wieder hergestellt werden. Die Ungarische Geschichte ist seit dem eine Geschichte von Revolutionen und Befreiungskämpfen. Als ich darüber noch einmal nachlies bin ich auf die Webseite: www.hungarian-history.hu gestoßen, die wirklich eine angenehmen Fülle von Informationen bietet. Wir hatten Glück an der Gedenkstätte, denn gerade wurde das Originalmaterial der Schlacht, also die Waffen und Rüstung, einer Gruppe Studenten vorgeführt. Die weiblichen Teilnehmer unserer Unternehmung durften dann auch auf einen armen Fuchs schießen, der auf ein Polster gemalt nicht entfleuchen konnte.

Zuletzt kamen wir in Pécs an. Das war für mich ein interessanter Kontrast, da ich ja schon im Januar dort war (hier im Blog verzeichnet). Im Sommerlicht war das ganze aber noch einmal eine sehr andere Erfahrung, besonders weil wir auch hier Glück hatten mit der Ereigniskultur: In der Fußgängerzone fand das berühmte Straßenrennen von Pécs statt und wir konnten seinen Ausgang verfolgen (genauer gesagt, das erste Rennen habe ich sogar mit der Kamera aufgenommen!). Zuletzt gondelten wir noch zum Pécser Dom, tranken Kaffee, und machten uns bald auf den Heimweg. In jedem Fall eine sehr schöne Tour. Ich habe dabei gemerkt, dass mein Verhältnis zu den ungarischen Distanzen relativ verzerrt ist. Von Budapest nach Pécs sind es nur etwa 200 km, aber da der Zug schon über drei Stunden dauert hätte ich es viel weiter eingeschätzt. So setzen sich deutsche Züge und Fahrpläne im Kopf fest.

Zur Feier des Tages habe ich mich endlich wieder an mein Fotoalbum gesetzt und einige Bilder hochgeladen, die sich hier bewundern lassen. Das Rennen gibt es dann hier (DivX kodiert).

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