Freitag, 1. Februar 2008

Reiseberichte - Abschluss

Die Serie wird beendet, auch wenn sie über eine Woche unterbrochen wurde. In einem Anfall von Geschäftigkeit habe ich mich in die Bibliothek verkrochen und für eine mündliche Prüfung gelernt, die gestern nun stattfand und die ich erfolgreich absolviert habe. Trotzdem möchte ich noch ein paar Worte über Zagreb verlieren.

Der erste Schock, direkt vor dem Bahnhof: Die Leute halten an Zebrastreifen. Wer sein Leben in Deutschland verbracht hat mag davon nicht so geschockt sein, aber dem sei gesagt: Weder in Italien, noch in Ungarn, noch in Polen, noch ... tun sie es. Und nun auf einmal in Kroatien, scheinbar liegt das wahre Erbe der k.u.k. Monarchie, was diese Höflichkeitsform angeht, im kroatischen Raum. Das lustige in Ungarn ist hingegen, dass dort wo kein Zebrastreifen, an Kreuzungen, die Autofahrer immer sehr nett und zuvorkommend sind, während sie sich wahrscheinlich am Zebrastreifen denken, dass ein Akt der Freundlichkeit, der aus Zwang geschieht, kein echter Akt der Freundlichkeit ist und deswegen direkt durchfahren, da es ja moralisch nichts zu gewinnen gibt. Oder so ähnlich.

Wie dem auch sei, wir tourten einige Hostels ab, die uns in Zagreb empfohlen worden waren. Dabei stellte sich recht bald heraus, dass Januar nicht als touristische Hauptsaison betrachtet wird und daher zwei von zwei Hostels, die wir uns nahe des Bahnhofs markiert hatten, geschlossen waren. Wir zogen also weiter zur allgemeinen Touristeninformation, die sich gleich am Hauptplatz befand. Dort der nächste Schock: Die Leute sprechen perfektes Englisch und wenn man sie nach einer Unterkunft fragt telefonieren sie sogar um zu überprüfen, ob es dort noch freie Betten gibt. Das mag wiederum dem verwöhnten Deutschen als ein Standard erscheinen, in Ungarn gibt es das auf jeden Fall nicht. Dementsprechend tauschten wir uns konspirativ über unsere neu gewonnene Liebe für die Kroaten aus.

Unser Hostel der Wahl hieß nun also "Carpe Diem" und befand sich ein wenig hügelaufwärts nach Norden. Das Personal war wiederum recht freundlich, das Hostel bestand aus drei Zimmern mit jeweils drei Ikeadoppelbetten. An den Wänden fanden sich Höhlenschriften von dagewesenen Backpackern, allerdings höchstens zwei Jahre alt. Dort mit Instruktionen für das Abendprogramm versehen wandten wir uns Zagreb zu.

Hier mache ich einen Sprung, da die Reise nicht mehr so frisch in meinem Kopf ist, und möchte nur generell sagen, dass Zagreb eine sehr faszinierende, lohnende Stadt ist. Das Leben findet viel auf der Straße statt, um sieben Uhr abends war der Hauptplatz voll von Leuten, und das im Januar - im Sommer passiert hier dann, mehr oder weniger, alles. Dass die Stadt am Hügel erbaut ist hat bestimmte Vorteile, von fast überall kann man den eindrucksvollen Dom erblicken. Inmitten der Altstadt findet man dann noch eine besondere Kirche, die direkt vor dem kroatischen Parlament steht, und wo die Wappen Kroatiens und Zagrebs in das Dach eingelassen sind. Direkt nebenan haben wir auch eine sehr gut gemachte Chagallausstellung gefunden, auch wenn ich langfristig ein wenig genervt von seiner Übermotivisierung war. Nebenan gab es noch das Museum für "naive Kunst", was ich nicht derartig empfehlen kann, es war irgendwie lustig, aber dann doch mehr naiv als künstlerisch.

Von der Altstadt aus kann man eine Seilbahn ins Tal herab nehmen, da sie gute 40 Meter über den neueren Bereichen steht. Von dem Punkt wo die Seilbahn oben abfährt hat man eine grandiose Aussicht über die Stadt, wo wir auch am zweiten Tag einen der beeindruckendsten Sonnenuntergänge erleben durften, den ich in meinem Leben gesehen habe. Ich hänge ein Bild an, um die Aussage zu untermauern. Zagreb, kurz gefasst, lohnt sich. Sicherlich für 3-4 Tage, wenn nicht länger. Die Menschen sind freundlich, es gibt ausreichend Hostels, es ist viel los und die Stadt ist schön.

Zuletzt noch eine Anekdote von der Rückfahrt: Bei der Passkontrolle gab es Probleme mit Kingas Reisepass. Dazu muss gesagt werden, dass es in Polen scheinbar möglich ist, mit dem gleichen Bild jahrelang weiterzureisen, und man kann es den Grenzkontrolleuren nicht verdenken, dass sie das fast 10 Jahre alte Bild nicht sofort mit der heutigen Person in Verbindung brachten. Was folgte war ein kleiner Test, ob sie auch wirklich polnische Staatsbürgerin sei. In Polnisch gab es diverse Anweisungen auf einem Zettel, so komplex wie: "Schreibe deinen Vor- und Nachnahmen" oder "male eine Leiter und ein Dreieck" oder zuletzt, wo eine Zahlenreihe stand "Umkreise die 12 und die 65". So macht Staatsbürgerschaft Spaß. Kinga bestand den Test, soweit ich weiß, und wir durften zuende reisen.


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