Mittwoch, 6. Februar 2008

Meditationen

Eine Weile bin ich nun wieder in Budapest, eine sehr entspannte Weile seitdem ich meine Prüfung und die Vorbereitung letzte Woche erfolgreich hinter mir habe, jegliche zeremonielle Gebräuche des Abschieds über mich hinweggewaschen sind. Ich habe die Zeit genutzt zum Ausflug nach Szentendre, ein Künstlerdorf an der Donau, eine halbe Stunde S-Bahn entfernt von Budapest. Dort herrscht angeblich ein ganz besonderes Licht, in dem Kunstwerke wie von selbst entstehen und wo daher die allerbesten Bedingungen für kreative Künstlerkommunen herrschen. So geschehen in Ungarn in den 20er Jahren. Dass die entsprechende Gruppe sich bald in ihre Bestandteile auflöste tat dem Ruhm keinen Abbruch, und auch jetzt noch hat das Städtchen einen ganz besonderen Ruf.

Gleichzeitig interessant ist der serbische Einfluss hier. Als die Türkenherrschaft ihr Ende fand und das serbische Gebiet befreit wurde gelangten Flüchtlinge nach Szentendre, siedelten dort und prägten das Stadtbild. Viele der Aufschriften sind auch in kyrillisch vorhanden, (auf Deutsch interessanterweise auch), es gibt eine serbisch-orthodoxe Kirche und ein Museum für die serbisch-orthodoxe Kirchenkultur. Was die Sonneneinstrahlung angeht, der Tag war tatsächlich sehr schön, ob dem auch so war in Budapest ist natürlich offen. Gereist bin ich mit meinem spanisch-baskischen Mitbewohner Xabi, der zwar schonmal da war, aber als Architekt zu der Künstlerkommune nicht nein sagen konnte. (Xabi hat auch die Angewohnheit, seine Kreativität in unserer Küche auszulassen, die inzwischen ein Netz aus Schnüren beherbergt, an denen etwa raumteilende Laken gespannt sind (parallel zum Fußboden) oder Lampen hängen. Wer mich besuchen wird, wird dann wissen, wovon ich spreche).

In Szentendre haben wir noch zwei Museen besucht, die Sammlungen von Margit Kovács und Béla Czóbel, beide sind sehr zu empfehlen, Kovács hat interessante, unterhaltsame Skulpturen geschaffen, ein wenig comichaft manchmal, immer in Bewegung. Czóbel fing relativ expressionistisch an und verschwimmt im Laufe seines Oeuvres mehr und mehr, war aber auch spannend zu sehen.

In dieser Woche werde ich noch meinen Stundenplan fürs nächste Semester finalisieren, ich hoffe es wird auch ein wenig Musikwissenschaft geben. Einen Proberaum fürs Klavierspielen finde ich höchstwahrscheinlich auch, nur weiß ich noch nicht, wieviel mich das kosten könnte. Aber ich freue mich definitiv darauf, wieder regelmäßig mit einem Tasteninstrument Kontakt zu haben, auch wenn ich täglich Gitarre spiele (üben kann man es mangels Anleitung nicht nennen) und das sehr genieße. Soviel erstmal, vieles ist im Moment stillständig oder in der Entwicklung. Bald passiert mehr.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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