Freitag, 7. September 2007

Néptanc!

vom 31.8.2007

Und es ist schon wieder Freitag. Eine Menge ist passiert, am wichtigsten ist, dass ich inzwischen in meiner eigenen Wohnung sitze, die ich zusammen mit Magda und Xabier bezogen habe, aus Bonn und Barcelona. Nachdem das erste Wohnheim eine wirklich abschreckende Qualität hatte (einige Bilder findet ihr im Album) hatte ich mich spontan auf Mit-Suche begeben. Die gesamte Erasmusgruppe war und ist eine Tauschbörse für WG-Plätze, Zimmeroptionen und sich langsam entwickelte Liasonen. Zum Glück habe ich nur insgesamt zwei Tage mit Wohnungssuche zugebracht, jetzt ist alles unter Dach und Fach. Wir wohnen im achten Distrikt, relativ am Rand in der Nähe des Stadtparks. Die Wohnung ist wunderschön und nicht sonderlich teuer, nur liegt sie wie schon angedeutet nicht in der allerbesten Gegend – der Budapester Standard von etwa 4-7 Schlössern die man auf dem Weg zur eigenen Wohnung bewältigen muss gilt auch hier.

Gestern abend haben wir wieder eine Volkstanzhochburg besucht, wie letzte Woche, und wieder war ich sehr angetan. Diesmal war der Gruppenpart deutlich ausgedehnter und es haben deutlich mehr aus unserer Sprachgemeinschaft die Gelegenheit genutzt, einmal ungarisch das Tanzbein zu schwingen. Als erster Mutiger begab ich mich in einen Tanzkreis, kam relativ gut zurecht, und sprach noch mit einer ungarischen Tänzerin, die sich neben mich gesellt hatte. Sie stellte sich als wirklich engagierte Volkstänzerin heraus, mit Hintergrundwissen und lauten Jauchzen an den richtigen Stellen. Danach gab sie sich sogar noch für einen Paartanz hin, bei dem wir uns denke ich nicht all zu schlecht schlugen, aber kurz vor Ende verließ sie mich in Richtung eines Bekannten und damit war meine Tanzsession erstmal beendet. Dennoch bin ich insgesamt immer wieder beeindruckt von der Lebendigkeit, die in diesem Zirkel erlebt werden kann. Der Mentor und Foreign Affairs Koordinator Marton erzählt mir in einer ruhigeren Stunde, dass hier vielleicht alle Volkstänzer in Budapest anwesend sind. Marton selbst ist ungefähr zwei Meter fünfzehn groß, schlaksig, die Aura eines Organisators der hin und wieder nicht ernst genommen wird aber für seine Sachkenntnis und für seine vielfältigen Ansätze doch irgendwie geschätzt wird. Er erzählt mir auch, dass der Volkstanz, der wie eine Welle über die Erasmusschüler schwappt, eigentlich die Idee von den alten Weibern die unseren Kurs gestalten war, also müssen wir uns wohl bei ihnen für diese Erfahrungen bedanken. Nach diesen zweiten Schritten begeben wir uns noch in den Filter, eine Bar um die Ecke, in einem verschimmelt riechenden Keller gelegen, der zwar recht heimelig anmutet, aber mich nicht sonderlich lange dort hält. Gemeinsam mit meinem neuen Mitbewohner Xabier mache ich mich auf Richtung Wohnheim, das wir kurz nach zwölf erreichen und uns zum glücklicheren Teil der Welt zählen.

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