(kurze Zeit später, immer noch Schönefeld)
Nächster Akt des Dramas, Schauplatz Berlin. Südkreuz wird erreicht. Am Hauptbahnhof haste ich dem Zugteil hinterher, der sich aufmacht in Richtung Leipzig, meiner wird abgekoppelt und stillgelegt. Dann am Südkreuz haste ich die Treppe empor, treffe die zwei Gestalten, die ich bestellt, erwartet und ersehnt habe. Ein Tasche und ein paar Worte wechseln den Besitzer und mit guten Wünschen mache ich mich auf die Weiterfahrt. In Schöneweide wartet der Ersatz nicht, daher warte ich, gemeinsam mit einigen Sommerurlaubern, betrunken, fröhlich, auf dem Weg nach Malle, Fuerte oder sogar Richtung Osten wie ich, wo sie sicherlich den günstigeren "Bang for the Buck" bekommen, betrachtet man als Reiseziel die Einschlagwirkung dessen was sie unterwegs konsumieren. Flatratesaufen am Plattensee, das war was mein Vater irgendwo in der Zeitung aufgenommen hat, und was sicherlich die Beschäftigung einiger Sommernächste sein kann, statt schleichender kapitalistischer Selbstvergiftung, eine einzige Ansammlung von Betäubungsmitteln, dann der bewusste Abschuss und die Distanzierung die uns allen vor lauter Differenzierung fehlt.
Mein größtes Ideal auf literarischer Ebene ist das Bilderschreiben wie es Musil praktiziert und Canetti so ausgiebig in seiner Autobiographie aus ihm hervorlobt. Diese Bilder, einen Moment und ein Gefühl so exakt fokussierend, so alltäglich zugänglich darstellend. Wäre es mit ihnen möglich, Gefühle herbeizuwirken, einfach dadurch, dass sie so echt beschrieben sind, dass sie uns danach förmlich vor Augen stehen müssen? Eine Art literarische Drogenkultur, die nur hervorruft, was eigentlich schon da war, nur nicht im Menschen, sondern in den Worten, die mächtiger sind als jeder erklärende Zusammenhang.
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